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DIE BUNTE VIELFALT UNSERER PERSÖNLICHEN CORONA-AMPEL

ROTE ZAHLEN, SCHWARZER HUMOR, GRAUE HAARE UND ZWEI LILA HERZEN

Bald wir jeder jemanden kennen, der sich nicht mehr auskennt. In meinem Fall könnte das daran liegen, dass ich nur mehr selten Updates, Pressekonferenzen, News und Co schaue bzw. anhöre. Ich merke, dass sich das „leidige“ Thema Corona zunehmend mit einer unglaublichen Schwere in mir ausbreitet und auf sämtliche (bislang gut ausgeprägte) Bereiche drückt. Lebensfreude, Ausstrahlung, Motivation, Begeisterung.

Um das „sich auskennen“ geht es für mich aktuell nicht mehr – eher schleicht sich manchmal die Frage ein: Worum geht es überhaupt? Um die Gesundheit – klar! Und ich bin sehr gerne gesund und laut aktuellem Blutbild auch sehr gesund. Allerdings weiß ich, dass einen wesentlichen Teil zu unserer körperlichen Gesundheit auch unsere psychische Gesundheit beiträgt. Ich trage zunehmend Traurigkeit im (lila) Herzen, weil wir nicht das tun dürfen, was wir lieben, was wir mit Begeisterung, Freude, Motivation und Stolz tun. Die Sorgen breiten sich unweigerlich im Kopf aus und lassen graue Haare wachsen. Ein realistischer Blick auf die (roten) Zahlen lässt dann und wann nur mehr wenig  Zuversicht walten.

Am 1.10.2020 „feiert“ IN A TEAM das 8-jährige Jubiläum – und ich war und bin stets voller Dankbarkeit und Demut, was alles passieren durfte und darf. Das heurige „Erntedankfest“ fällt aufgrund bekannter Umstände eher bescheiden aus. Allerdings wäre das Feiern momentan ohnehin nicht sehr empfehlenswert. Ein Blick auf die (4-färbige!) Ampel verheißt nichts Gutes. Der Mix aus Empfehlungen, Anordnungen, Verboten und Maßnahmen ist vielseitig (und tendenziell verwirrend) – aber dennoch alles, damit die Menschheit den Virus über kurz* oder lang überlebt.

Aber wer möchte denn bitte „so“ leben? Und vor allem wie lange noch? Abgesehen davon, dass es keinen Spaß bereitet, kommen ungefragt jede Menge Sorgen ins Spiel. Die allgemeine Unruhe ist deutlich spürbar und das „Social Distancing“ bringt neben (hoffentlich) sinkenden Zahlen meiner Meinung und Ansicht nach ganz andere Probleme mit sich. In unserem Fall zeichnet es sich langsam aber sicher ab, dass die Angst vor Auftragsstornos größer ist, als jene vor dem Virus. Die steigenden Zahlen sind gleichbedeutend mit steigenden Stornos. Ein lieber Branchen-Kollege hat kürzlich zitiert: „Wenn sich das Licht am Ende des einspurigen Tunnels plötzlich als entgegenkommender Zug heraus stellt …“ Ja, so fühlt es sich in der Tat an.

Eine meiner Sorgen wäre jedoch (auch wenn es eigenartig klingt) eine klassische Verkühlung (wie sie um diese Jahreszeit nicht unüblich ist) – eine Verkühlung, die man im „Normalfall“ gut übersteht (und als Selbständige damit ganz normal weiter arbeitet), würde für mich aktuell bedeuten, dass ich meine (spärlich gesäten) Aufträge definitiv nicht durchführen dürfte, weil nahezu jedes kurz*e Husten bereits mit Corona gleichgesetzt wird. Natürlich versuchen wir, unser Immunsystem gerade im Herbst zu stärken – jedoch gelingt dies heuer nicht so gut – denn die beste Medizin für ein starkes Immunsystem ist das Wohlbefinden der Seele.

Es ist also momentan sehr empfehlenswert, mit dem Planen auf der Stelle aufzuhören – starten wir ein Leben im „Hier und Jetzt“ – was ich grundsätzlich befürworte. Auch bezeichnete ich das Wort „Eigenverantwortung“ bislang als „eines meiner Lieblingswörter“. Aber so eigenverantwortlich, wie ich es mir wünschen würde, darf ich eben gerade nicht handeln. Immerhin werden alle kurz*fristigen Entscheidungen woanders getroffen, was zunehmend dafür sorgt, dass ich mich sehr machtlos fühle.

Nebenher macht sich das Gefühl breit, dass man (in unserem Fall – so wie in vielen anderen Fällen) zu einer Neu- oder Um-Orientierung gezwungen wird, falls man überleben will (finanziell). Ganz ordentlich nach dem Motto „besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen“ haben wir umstrukturiert und Arbeiten und Aufgaben angenommen und übernommen, die manch Arbeitsloser möglicherweise konsequent verweigern würde. Ja, wir haben viel gearbeitet und viel gelernt – allen voran die Freude zu finden, wieder aktiv zu sein, etwas TUN zu können und eigenverantwortlich handeln zu können – eine Wohltat.
Dennoch möchte ich hiermit eingestehen, dass es mir langsam zu bunt wird – so bunt wie das Farbenspiel unserer persönlichen Corona-Ampel … es wäre über kurz* oder lang wieder an der Zeit, sie auf unsere Herzensfarbe LILA zu schalten. Wenn wir bei kleinen Team-Events und Seminaren die Vorschriften einhalten (was wir natürlich tun!), dann zählen der Seminarraum und das Outdoor-Teamtraining mit Abstand (!) zu den sichersten Orten der Welt.

Der Virus zerstört so vieles mehr als unsere Gesundheit - und meine Hoffnung bleibt, dass er uns etwas sinnvolles lehren soll. Eine liebe Freundin sagte kürzlich zu mir: „Wer die Gipfel erklimmen möchte, muss auch die Täler durchschreiten.“ 

Ich nehme hiermit die Prüfung an und warte geduldig auf andere Zeiten.

Was auch immer ihr über meinen Blog zur Corona-Krise denkt – ich hab durchaus einen kurz*en Moment überlegt, ob ich ihn veröffentlichen möchte. Danke, dass ihr den Kurz*trip in meine Gedankenwelt mit mir gereist seid.

Über eure Meinung freue ich mich: andrea(at)inateam.at